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Szene VI, Mensch

Nach nicht einmal vier Stunden wurde ich wieder unsanft aus dem Schlaf gerissen. Vera war nach hause gekommen, aber nicht wie sonst vorsichtig und zur?ckhaltend, sondern laut schluchzend. M?de ?ffnete ich ein Auge. "Was'n los? Hat er dich versetzt?" Vera schluchzte weiter. Ich wurde nur langsam wach, aber immerhin hatte ich schon beide Augen offen. "Vera? Was ist los?" "Er... er ist tot." Wovon redete sie jetzt? Von Patrick? Der war schon ein paar Wochen tot, und es hatte sie nicht so stark betroffen, dabei war er doch ihr Bruder gewesen. "Wer ist tot?" "Petr. Er... er wollte mich besch?tzen, und jetzt ist er tot." Ich setzte mich jetzt aufrecht aufs Bett und legte Vera meinen Arm um die Schultern. Petr. Soso. Wer war das jetzt wieder? Ich kannte schlie?lich nicht alle von Veras M?nnerbekanntschaften pers?nlich. Oder... "Moment mal. Meinst du den Typen von gestern Abend, den Blondschopf? Der soll tot sein? Vor ein paar Stunden war er doch noch quicklebendig." "Er hat versucht, mich zu retten... Es ist meine Schuld, ganz allein meine Schuld. Ich h?tte sein Angebot, mit mir bis an die T?re zu kommen, nicht ausschlagen sollen..." Sie weinte schon wieder. "Ganz ruhig, Vera. Erz?hl mal von vorne. Wenn du immer nur sagst, er habe dich besch?tzen wollen, kommen wir nicht weiter." "Na gut. So gegen f?nf Uhr waren wir dann beide m?de. Wir gingen raus, haben uns noch gek?sst. Er fl?sterte mir ins Ohr, er wolle mich zum Hotel begleiten. Ich lehnte ab. Ich... ich h?tte es nicht tun sollen." Sie schluchzte schon wieder. "Schon gut, Vera, schon gut. Was ist dann passiert?" "Wir trennten uns, er musste in die andere Richtung. Auf einmal lag eine Hand auf meinem Mund und eine andere an meiner H?fte. Ich dachte, es sei Petr, er wolle noch mit mir Spielchen treiben, da wurde ich schon in eine Seitengasse gezogen. Dann sah ich sein Gesicht. Es war nicht Petr. Es war... ich wei? nicht, was es war. Er war ganz bleich, aber trotzdem sch?n. Seine Augen waren komisch, so... durchdringend irgendwie. Ich konnte ihm nicht in die Augen sehen, ohne den Kopf wieder abwenden zu m?ssen. Sein Mund war blutrot geschminkt, was das Gesicht komischerweise noch sch?ner machte. Ich dachte immer, M?nner sollten keinen Lippenstift tragen, das sehe komisch aus... bei ihm war das anders. Ich hatte den Eindruck, das m?sse so sein, das sei nat?rlich - und gleichzeitig sah er selbst alles andere als nat?rlich aus. Und seine Kleider, alle ganz in Schwarz, nur an seinem Bein hing etwas matt Gl?nzendes... Er war so... bizarr irgendwie. Ja, das ist das richtige Wort. Bizarr. Und er hielt mich mit einer Kraft fest, die ich einem so schlanken K?rper nie zugetraut h?tte. Er war st?rker als alles, was ich vorher je erlebt hatte. Dann versuchte er, mich zu vergewaltigen. Und Petr..." Sie schluchzte schon wieder. "Und Petr hat versucht, dich zu besch?tzen. So weit waren wir schon... aber wieso ist er dann jetzt tot?" "Der Mann reagierte blitzschnell. Er muss Reflexe haben wie eine Katze. Als Petr ihn vertreiben wollte, packte er ihn am Arm und warf ihn auf die Strasse. In dem Moment fing ich an zu schreien. Ich wei? nicht, warum ich vorher nicht dazu f?hig gewesen war. Irgendwie konnte ich es auf jeden Fall nicht. Aber die Leute kamen aus ihren H?usern, und er musste fliehen. Wenigstens das. Nachbarn holten die Polizei, und die haben mich dann mitgenommen. Petr war schon tot, einer meinte, er habe den Aufprall nicht ?berlebt. Ich wei? es nicht. Und bis sie einen Dolmetscher aus dem Bett geklingelt hatten, war es schon bald sechs Uhr... Na ja, und jetzt bin ich hier." Ich sa? da, wusste nicht, was ich machen sollte. Ein v?llig Fremder hatte versucht, Vera zu vergewaltigen. das war schrecklich genug. Aber noch dazu t?tete er einen Menschen, der ihr helfen wollte... Wer machte so etwas? Wer war so krank in seinem Hirn? Ich musste erst einmal richtig aufwachen. "Vera, ich geh jetzt mal duschen, und dann trinken wir zusammen einen Kaffee. Ich fass es selber noch nicht ganz, aber dem geh ich auf den Grund." "Ach, Liv, du bist doch nicht Patrick..." "Das wird schon. Geh nur mal runter, ich komm gleich nach, wenn ich geduscht habe."
Es tat gut, das warme Wasser ?ber die Schultern flie?en zu sp?ren. Es machte mich wach, gab mir Energie. Das Shampoo in den Haaren, das duftende Duschgel verst?rkte diesen Eindruck noch. Ich drehte den Hahn wieder runter, trocknete mich ab und zog mich an.
Ich war sp?t dran. Unten im Essraum waren bereits die meisten Tische abgedeckt. nur noch ein P?rchen am einen und Vera am anderen Tisch sa?en noch da. Bevor ich unseren Tisch erreichte, h?rte ich es pl?tzlich hinter mir: "Frau K.?" "Ja, bitte?" "Ein Anruf f?r Sie, aus Wien!" Aus Wien. Das konnte nur hei?en, dass es etwas mit Patrick zu tun hatte. "Ich komme."
Sie reichte mir einen veraltet wirkenden Apparat. Ich nahem den H?rer. "Liv K.?" "Hallo Liv, hier ist Brigitte." Patricks Mutter. "Was ist passiert?" "H?r zu, wir haben hier bei Patricks Aufzeichnungen was gefunden. Dein Name steht drauf. Du bist ja jetzt noch fast eine Woche weg. Sollen wir es dir schicken?" "Was ist es denn?" "Ein Brief." Ein Brief. Hatte Patrick mir noch etwas mitteilen wollen, in der Nacht, bevor er starb? Ich wusste es nicht. "Ja, schickt ihn mir r?ber. Danke, Brigitte. Tsch?ss." "Tsch?ss, Liv!" Ich hatte abgew?rgt, aber wenn ich weitergemacht h?tte, w?re wohl die Erinnerung zu stark geworden. Das durfte nicht geschehen. Ich wollte nicht schon wieder zur?ckfallen in meine Trauer. Es war schon schlimm genug gewesen in den letzten Wochen.
19.4.05 23:52
 


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