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Szene V, Vampir

>>Wieso? Wie zum Geier kann man derart viel Pech haben wie ich? Ich werde diese ungl?ckselige Pechstr?hne einfach nicht los?<<
Ich befand mich wieder auf dem langen Weg zur?ck in den Schuppen, der als meine provisorische Unterkunft diente. Mutlosigkeit, Entt?uschung und nahezu unb?ndige Gier nach reinem Menschenblut verwirrten meinen Geist. Kaum ein klarer Gedanken mochte mir gelingen. Es ist wirklich erstaunlich welch garstigen Streiche mir das Schicksal zu spielen scheint.
Es hatte angefangen zu regnen und auch der Mond war nicht mehr zu erblicken. Bald w?rde es anfangen zu d?mmern und bis dahin musste ich meinen Unterschlupf erreicht haben.
Es ist nicht so, dass ich den Tag f?rchtete. Dieser irrt?mliche Volksglaube, dass Vampire unter den direkten Strahlen der Sonne vergehen w?rden, ist vollkommener Humbug.
Einfach lachhaft, was sich dieser kleinb?rgerliche P?bel alles einfallen l?sst.
Es ist tats?chlich so, dass das Sonnenlicht eine heftige Reaktion bei uns ausl?st, doch mit zunehmendem Alter, verliert es mehr und mehr seinen Einfluss auf uns. Unwissende, die ihren Kuss erst vor Kurzem von einem anderen Vampir bekamen, sind schon zu Dutzenden der Sonne zum Opfer gefallen, denn die ersten Jahre ist man noch schwach und empfindlich. Jegliche, sei es auch noch so kurze, Sonneneinstrahlung, vernichtet jeden Welpen binnen weniger Augenblicke.
Mir ist es mittlerweile jedoch m?glich, auch tags?ber meine Wege zu gehen. Allerdings bin ich unter der Sonne sehr geschw?cht, in keinem Vergleich zu meiner n?chtlichen Form.

Ich warf meinen Kopf in den Nacken und schrie all meinen Frust in die schon weit fortgeschrittene Nacht hinaus. Ich war so kurz davor gewesen. Um ein Haar h?tte ich meinen unstillbaren Durst stillen k?nnen. Aber nein, ich habe ja nur Pech.
W?hrend ich vorhin auf dieser kleinen Bank sa? und auf ein wehrloses Opfer wartete, gingen einige Passanten an mir vor?ber, doch bei keinem bot sich mir eine Gelegenheit.
Dann, kurz bevor ich schon wieder aufbrechen wollte, ?ffnete sich die T?r einer Bar auf der gegen?ber liegenden Stra?enseite. Laute Jazzmusik drang an mein Ohr, doch meine Augen waren vollkommen auf das P?rchen fixiert, das soeben lachend durch die T?r trat. Arm in Arm stolperten sie auf die hell beleuchtete Stra?e und fingen sofort an sich heftig zu k?ssen.
Er trug blaue Jeans, ein wei?es T-Shirt und dar?ber ein aufgekn?pftes blaues Hemd. Seine kurzen blonden Haare, wurden soeben von seiner Begleiterin durcheinander gestruppelt.
Sie trug einen wei?en Minirock, eine ebenfalls blaue Bluse, die einen recht einladenden Einblick auf ihre vollen Br?ste gew?hrte und rote St?ckelschuhe. Ihre blonden langen Haare wirkten aufwendig, aber irgendwie doch billig frisiert.
>>Was f?r eine Tussi<<
Normalerweise entsprachen Frauen diesen Typs in keinster Weise meinem Geschmack, doch heute konnte und wollte ich nicht mehr w?hlerisch sein. Ich hatte Hunger und das nicht zu knapp.
Ich wartete noch etwa zehn Minuten, bis sie endlich Anstalten machten, ihren Platz vor der Bar zu verlassen. Zu meiner gro?en Freude, gingen sie in die eine Richtung und er in die andere. Nach ungef?hr zwanzig Metern drehte er sich wieder um. ?Also bis Morgen dann!?, und zwinkerte ihr zu. Sie strahlte ihn an, nickte und setzte ihren Weg fort.
>>Endlich<<
Meine langersehnte Stunde hatte geschlagen. Ich erhob mich von meinem Platz und ging ihr schnellen, doch leisen Schrittes hinterher. Ich folgte ihr etwa f?nfzig Meter weit, bis ich mich nicht mehr zur?ckhalten konnte. Ich schloss ger?uschlos zu ihr auf, legte meine rechte Hand auf ihren Mund, umfasste mit der linken ihre H?fte und zerrte sie so m?helos in eine dunkle Gasse direkt an der Stra?e.
Ihre Augen weiteten sich ungl?ubig. Sie versuchte zu schreien, zu kratzen und zappelte wie ein frisch gefangener Fisch. Doch mein erbarmungsloser Griff war eisern.
>>Diese Beute wird mir nicht entwischen<<
Ich strich ihr ihre blonden Haare aus dem Gesicht, so dass ich freien Blick auf ihren Hals hatte. Ich konnte das pulsierende Leben in ihren Adern, die ihren jungen Hals durchzogen, f?rmlich sp?ren.
Ich ?ffnete meinen Mund und wollte gerade meine scharfen Z?hne in ihren Hals bohren, als hinter mir jemand anfing lautstark zu schreien.
Ich schnellte herum, schmiss die Blondine zu Boden und sah mich dem blonden Kerl, der sie vorhin begleitete gegen?ber. Er stand auf dem Gehsteig mit weit aufgerissenen Augen, starrte mich an und schrie aus vollem Hals um Hilfe.
>>Nein, dieser Wurm, wird mir nicht meine sichere Beute nehmen<<
Ich sprang mit einem gro?en Satz auf ihn zu, packte seinen Kopf und riss meine rechte Hand ruckartig nach hinten. Noch bevor, ich endg?ltig auf dem Gehsteig landete, st?rzte er bereits mit gebrochenem Genick zu Boden. Das M?dchen hinter mir stie? einen schrillen Schrei aus und noch bevor ich ihr das Mundwerk stopfen konnte, wurden auf der Stra?e mehrere Stimmen laut. Diese zwei Menschlein hatten es doch tats?chlich geschafft mitten in der Nacht, halb Prag auf die Stra?e zu holen.
Stimmen und Schritte kamen immer n?her und ich wusste, dass sie jeden Moment hier sein konnten. Ich warf der Blondinen einen letzten hasserf?llten Blick zu und drang tiefer in den Schatten der Gasse ein. Im selben Augenblick trat ich auch schon wieder aus dem Schatten einer Gasse am anderen Ende der Stra?e hinaus, klappte den Kragen meines Mantels nach oben und verlie? die Szenerie ohne mich auch nur einmal um zu blicken.

W?hrend ich das abgelegene Grundst?ck betrat, auf dem sich meine Unterkunft befand, schlug die Uhr in der nahe gelegenen Kirche bereits Sechs Uhr. In Gedanken schwor ich mir, dass diese Blondine mich nicht das letzte Mal gesehen hat.
19.4.05 22:18
 


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