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Szene IV, Mensch

Ich w?lzte mich unruhig in meinem Bett. Die Leuchtziffern meines Weckers standen inzwischen auf viertel nach vier. Vera war immer noch nicht zur?ck. Ich machte mir Sorgen um sie. Nicht, weil sie erst so sp?t zur?ckkam - das w?re sogar eher fr?h f?r ihre Verh?ltnisse gewesen - sondern aus irgendwelchen Gr?nden, die ich mir selbst nicht wirklich erkl?ren konnte. Ich zwang mich dazu, mir den Ablauf des Abends nochmals vor Augen zu f?hren.

Gegen zehn Uhr waren wir in diese Jazzbar gegangen. Vera wollte unbedingt etwas unternehmen, und ich hatte auf einer Jazzbar bestanden. Nicht umsonst ist die Prager Jazzszene eine der besten ganz Europas. Man kann jeden Abend zwischen etwa f?nf verschiedenen Lokalen ausw?hlen, in denen diese Musik gespielt wird. Wir besuchten dieses eine, in dem Vera dann diesen blonden Tschechen abgeschleppt hatte. Oder auch nicht. Es war nicht ihr Stil, mit den M?nnern gleich nach dem ersten Gespr?ch ins Bett zu gehen, trotz allem. Vera war vorsichtig in ihrer Verf?hrungskunst, aber vielleicht gerade deshalb erfolgreich. Sie ging nie beim ersten Mal mit einem Mann mit, sondern verabredete sich mit ihm immer f?r ein zweites Mal. Wer dann nicht kam, war in ihren Augen schon disqualifiziert.
Aber dieser Typ - nein, er war normal. Ein gutm?tiger, vielleicht sogar naiver Typ, der Vera auf den Leim gegangen war. Er w?rde ihr nichts tun, sie war wohl gef?hrlicher f?r ihn als er f?r sie. Nein, es musste etwas anderes sein. Aber was? Was beunruhigte mich so stark? Die anderen M?nner dort drin? Nein. Sie waren entweder genau so gutm?tig wie der Blondschopf, oder selbst Vera w?rde sich nicht auf sie einlassen, so, wie sie aussahen. Nein, es musste etwas anderes sein. Aber was?
Als ich das Lokal verlie?, war die Strasse fast v?llig leer. Nur ein P?rchen knutschte an einem Cafetisch in der N?he, und ein schwarz gekleideter Mann kam gerade um die Ecke. Er war gro? gewesen, hatte wie ein Goth ausgesehen. Viel hatte ich nicht erkennen k?nnen. Aber er hat mich an Patrick erinnert. Komisch - wieso ausgerechnet an Patrick? Er war doch gar kein Goth gewesen. Vielleicht war es auch blo? Einbildung. Vielleicht w?lzte ich mich darum im Bett umher. Nicht wegen Vera, sondern wegen Patrick. Es war so unfassbar gewesen, unser kurzes Gl?ck war so brutal unterbrochen worden...
Bei diesem Gedanken schlief ich endlich ein.
Suiluj am 19.4.05 20:32


Szene III, Vampir

Mittlerweile befand ich mich fast im Zentrum des n?chtlichen Prags. Bisher war ich ziellos umhergeirrt in der t?richten Annahme, mir w?rde mein Gl?ck heute gef?llig sein. Aber nein, nat?rlich war es das nicht.
>>Wieso musste ich einfach immer wieder dieses verfluchte Pech haben?<<
In letzter Zeit ist einfach zu viel schief gelaufen, als dass ich noch an Zuf?lle glauben w?rde. Erst vor 3 Monaten war ich gezwungen worden, Wien Hals ?ber Kopf zu verlassen. Ich hatte mich dort so wunderbar eingelebt. Ich kannte die verschlungenen Stra?en und Gassen wie meine Westentasche, die Katakomben unter der Stadt, einem herrlichen Irrgarten gleich, bestens f?r meine Zwecke geeignet.
Ich w?re sicherlich noch f?r Dekaden in Wien verweilt, h?tten nicht diese verfluchten J?ger meinen Weg gekreuzt und zu allem ?berfluss auch noch meine Verfolgung aufgenommen.
Nat?rlich hatte ich Wien nicht sofort verlassen. Ohne Gegenwehr w?rde ich niemals eine solch wertvolle Heimat verlassen. Doch wie schon oft, war mir auch damals das Gl?ck nicht hold.
Es war in einer regnerischen Nacht. Zwei Uhr war schon l?ngst vor?ber, als einer dieser verfluchten J?ger es doch tats?chlich schaffte, mir aufzulauern.
Er stellte sich ?berraschend geschickt an. Dieser Mann verstand sein Handwerk. Es war keiner dieser M?chtegern-J?ger, die sich besonders durch ihre Inkompetenz und Schw?chlichkeit auszeichneten. Dieser J?ger wusste mit wem er es zu tun hatte und machte nicht den Fehler mich zu untersch?tzen.
Anstatt wie manch blutiger Anf?nger sich einfach auf mich zu st?rzen, zog er eine pr?parierte Pistole hervor. Oh, ich kannte diese Waffen. Normale Waffen konnten mir kaum zusetzen, doch diese Waffe war die eines J?gers, der wohl wusste wie er mich schw?chen und verwunden konnte.
Doch selbst die gro?e Erfahrung und Aufmerksamkeit dieses J?gers w?re kein Problem gewesen, w?re er Alleine gekommen. Ich machte den j?mmerlichen Fehler mich voll und ganz auf mein Gegen?ber zu konzentrieren und lie? damit v?llig meine Umgebung au?er Acht. Wenn ich mich nur daran erinnere.
>>Was f?r eine Schande, ich ?berrumpelt, von ein paar lausigen kleinen J?gern. <<
Kurz bevor ich das sterbliche Leben meines Gegen?ber ausl?schen konnte, durchschlugen mehrere Kugeln meinen R?cken und traten an meiner Brust wieder hervor, was mich augenblicklich zu Boden schleuderte. Ich fuhr herum und sah zwei weitere J?ger hinter mir stehen, die Beide ihre noch rauchenden Pistolen in den H?nden hielten. In der Ferne h?rte ich hektische Rufe und sah gleisende Lichter. Verdammt, sie hatten mich eingekreist. Ich musste mir damals leider eingestehen, dass meine Chancen diese J?ger zu vernichten, verschwinden gering waren. Selbst ohne diese Wunden, die bereits wieder heilten, w?re es mir kaum m?glich gewesen. Aber es waren auch keine gew?hnlichen Kugeln gewesen, die mir meinen R?cken zerfetzten. Immer wieder diese verdammten J?ger, mit ihren verfluchten Spielzeugen. Leider h?llisch schmerzhafte Spielzeuge, die dar?ber hinaus meinen unsterblichen K?rper sehr schw?chten und meine Regenerationsf?higkeit bedeutend verlangsamten.
Ich erkannte, dass mir nur noch die Flucht als Ausweg blieb.
Leider ist meine Erinnerung, was weiterhin geschah, sehr l?ckenhaft und kurz. Ich versuchte den J?gern zu entkommen und musste es tats?chlich geschafft haben, ihre Reihen zu durchbrechen.
Das N?chste woran ich mich noch erinnern kann, ist das ich mit nassen Kleidern am Leib tief unter Wien in den Katakomben wieder zu mir kam. Irgendwie musste ich es geschafft haben, mich hier hinunter zu schleppen. Ich wusste, dass ich nur knapp entkommen war und mir ein solch schwerwiegender Fehler niemals wieder passieren durfte. Voll der Schmach beschloss ich schweren Herzens Wien und mein Revier zu verlassen und nach Prag zu gehen. Prag war zwar nicht wie Wien, mein Wien, aber es hatte auch seine Vorz?ge.

Ich sch?ttelte ruckartig meinen Kopf hin und her.
>>Und wo waren diese Vorz?ge bitte jetzt? <<
Seitdem ich heute auf der Jagd war, hat noch kein lohnendes Opfer meinen Weg gekreuzt.
>>Ich habe es satt, mich immer nur von Bettlern, Ratten und sonstigem verachtungsw?rdigem Getier zu ern?hren. Heute will ich etwas besonderes, etwas nahrhaftes, etwas junges, etwas reines.<<
Doch scheinen sich diese Frauen heute in ihren H?usern eingeschlossen zu haben. Bisher bot sich mir keine Gelegenheit eine dieser Frauen zu erwischen.
Ich blieb stehen und schaute mir sorgf?ltig die Umgebung an. Dieser Teil Prags war mir noch v?llig unbekannt. Ich sah vor mir eine hell erleuchtete Stra?e, an der mehrere Bars, Discos und Kneipen ihren Sitz hatten. Auf der gegen?berliegenden Stra?enseite sah ich ein wohl frisch verliebtes P?rchen, das sich eng aneinander kuschelte und sich so auch w?rmte. Mittlerweile war nichts mehr von der wohligen W?rme zu sp?ren, die ich noch vor einer Weile war genommen hatte. Jetzt pfiff ein k?hler, erfrischender Wind durch die n?chtlichen Stra?en Prags.

Eigentlich war dies gar nicht mal ein so schlechter Ort f?r eine Jagd. Von der schrecklich hell erleuchteten Stra?e zweigten immer wieder kleine dunkle Gassen ab, die kaum einzusehen waren. Jetzt sollte nur noch ein geeignetes Opfer vorbeikommen. Allm?hlich viel es mir zusehends schwerer meinen Hunger zur?ckzuhalten. Ich brauchte ein Opfer und zwar bald.
Ich beschloss, mich f?r eine halbe Stunde lang, auf eine kleine h?lzerne Bank am Rande der Stra?e zu setzen, die gl?cklicherweise von keiner der Stra?enlampen direkt beleuchtet wurde, um zu sehen, ob sich mir nicht doch noch eine g?nstige Gelegenheit bieten w?rde.
Aber wie ich mein Gl?ck kenne, wird wahrscheinlich absolut nichts passieren?
caxfourd am 19.4.05 17:29


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